Zusammen… – oder gemeinsam ?

 

Auf den ersten Blick – kaum ein Unterschied ? Mag sein… der Unterschied wird klar, wenn ich die Frage anders formuliere:

 

Gehen Sie mit ihrem Hund zusammen spazieren, oder gemeinsam ?

 

Letzte Woche war ich mit meinen Hunden auf dem Heimweg von unserer morgendlichen Runde. Mein Blick schweifte so durch meine Vierbeiner und ich stellte zum x-ten Male fest, dass ich doch endlich einen Antrag einreichen sollte, Golden Retriever in Schlamm-Monster umzubenennen. Aus den Fahnen an Schwanz und an den Beinen meiner beiden blonden Schönheiten tropfte die grün-braune Suppe – aber die Augen lachten glücklich – so ein frisch abgeernteter Kartoffelacker eignet sich super für Renn- und Fangspiele – und die Leckerlie-Spuren, die ich gelegt hatte, müssen ja erst eingebuddelt werden, damit man sie dann wieder ausgraben kann. Chira, meine pechschwarze, altdeutsche Schäferhündin (= auch lange Haare / grins) hatte den ganzen Schwanz voller Kletten – doch sie hatte erfolgreich 2 Tannenzapfen, eine Rübe und mindestens 4 Maiskolben für schlechte Zeiten versteckt und vergraben – vorher hatte ich sie im hohen Gras für sie versteckt und sie musste sie aufspüren und apportieren. Sunny hatte es nicht so gut erwischt – er würde gerne endlich fliegen können, damit die Raben sich nicht immer lustig machen über ihn. Doch die Leckerlies, die er nach dem Balancieren auf den Baumstämmen bekommt, entschädigen ihn dafür – versprochen !

 

Als ich am Kreisverkehr Richtung Heimat steuere, hörte ich hinter mir eine Stimme. Ich drehte mich um und wünschte einen „Guten Morgen!“ – bekam jedoch leider keine Antwort. Ach, das Herrchen mit dem großen schwarzen Hund lief hinter uns – ein weißes Kabel baumelte aus seinem Ohr und er diskutierte heftig – jedoch weder mit mir, noch mit seinem Hund… - der hüpfte übrigens auf drei Beinen hinter ihm her, denn eigentlich war er gerade am „unterschreiben“ – bekam nur leider sein Zweibeiner nicht mit.

 

Wir gingen weiter und unten an den Weihern begegneten wir einem weiteren Mensch-Hunde-Team … na ja, was man so Team nennt. Frauchen in Jogging-Outfit – die Belgier-Hündin im Schlepptau … die hätte lieber in Ruhe den Graugänsen beim Morgen-Yoga zugesehen … war leider dank kurzer Leine nicht möglich – Frauchen wollte weiter.

 

Nachdem wir dann nach guten zwei Stunden unser Zuhause erreichten und ich alle Hunde hinter dem Gartenzaun gesichert hatte, kam noch von den Feldern ein Radfahrer mit einem völlig übergewichtigen Boxer um die Ecke. Der Boxer musste aufpassen, dass er nicht bei jedem Schritt über seine Zunge stolperte – Herrchen war schon im Arbeits-Dress – Anzug, Krawatte und Hochglanzschuhe (kein Blödsinn !!!) … musste wohl noch schnell mit dem Hund raus, bevor er in die Arbeit geht.

 

Eine Stunde später fuhr ich dann – mit den zwei „Goldies“ im Schlepptau – in meine Arbeit. Ich kam an einer großen Wiese vorbei auf der eine ältere Dame ihrem Schäferhund Tennisbälle im hohen Gras versteckte und ihn die Bälle suchen lies. Keine Sekunde lies der Hund sein Frauchen aus den Augen – beide machten einen sehr zufriedenen und glücklichen Eindruck auf mich.

 

Na also – geht ja doch, oder !?!?

 

Wenn Menschen sich entschließen, sich einen Hund „anzuschaffen“, dann gehen sie in meinen Augen einen Vertrag ein – ein Vertrag, der für beide Seiten Rechte und Pflichten beinhaltet. Immer häufiger höre ich die Sätze „..der Hund sollte..“ – „…der Hund muss…“ – „…der Hund tut dies bzw. das nicht..“ usw. … doch immer weniger wird die Frage beantwortet „…was will eigentlich der Hund..“ bzw. „…was braucht eigentlich der Hund…“ – schade !

 

Man sagt uns Frauen nach, wir seien „multi-funktionell“ – natürlich kann ich mehrere Dinge gleichzeitig. Ich kann telefonieren, nebenbei den Kühlschrank einräumen und gleichzeitig noch Nudeln kochen – kein Problem. Was ich definitiv NICHT kann – mit dem Handy telefonieren, joggen und mit meinen Hunden spielen…

 

Natürlich könnte ich nebenbei einen Ball werfen – doch das hat nichts mit „gemeinsam“ zu tun … ich reduziere mich damit zur Ballwurf-Maschine.

 

Hunde können uns soviel über das Leben beibringen – für eine gute und glückliche Beziehung muss man sich regelmäßig Zeit füreinander nehmen – Zeit, die NUR dem anderen gehört. Wie viel mein Hund von dieser Art von „Zeit“ braucht, hängt von vielen Faktoren ab (Rasse, Alter usw.) – denn nur ein glücklicher und zufriedener Hund ist in der Lage seinen Part des Vertrages zu erfüllen. Denken Sie an die Frau mit dem Schäferhund – die beiden haben etwas erreicht, dass man nur schafft, wenn man gemeinsam etwas erlebt, wenn man stolz aufeinander ist. … Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für ihren Hund – er hat es verdient … sonst werden Sie so, wie die Paare, die ihre Beziehung auf ein gemeinsames Frühstück am Sonntag reduzieren.

 

Ich persönlich verbringe meine Zeit  lieber mit Menschen, die meine Interessen teilen und mit denen ich gemeinsam eine schöne Zeit habe … an Menschen, die nur mit mir zusammen im Bus sitzen, habe ich kein Interesse...

 

In diesem Sinne – ich wünsche Ihnen und Ihrem Hund oder auch Ihren Hunden eine schöne GEMEINSAME Zeit – nutzen Sie diese sinnvoll und qualitativ hochwertig … sie ist eh viel zu kurz !

 

Zufriedene und glückliche Hunde werden es Ihnen danken und viele Probleme zerplatzen wie Luftblasen ... probieren Sie es einfach aus !

 

Alle guten Wünsche –

 

Petra Wagner mit Tinka, Sunny, Aimee und Narrow

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